Rund um den orientalischen Arrak

Zusammengestellt von Jürgen Krohn

Was ist dieser Arrak eigentlich? Nach orientalischer Tradition: die Medizin schlechthin – sowohl innerlich, wie auch äußerlich anzuwenden! Es ist in der Regel ein Tresterschnaps aus Weintrauben (z.T. aber auch Datteln), ähnlich dem italienischen Grappa, allerdings versetzt mit Anis und damit vom Geschmack her ähnlich dem türkischen Raki, dem griechischen Ouzo und sogar ein wenig dem französischen Pastis oder Ricard.

Natürlich gibt es den Arrak auch schon ab 40 Volumenprozent Alkohol, aber der wirkliche Arrak beginnt ab 50 Umdrehungen; er muss also brennen. Versetzt wird er mit Wasser und Eis, wodurch das im Alkohol gelöste Anis ausflockt und eine milchig weise Flüssigkeit entstehen lässt, wovon der Arrak auch seinen Kosenamen „Milch der Weisheit“ ererbt hat.

Der Name Arrak kommt aus dem Arabischen, er wurde für alle alkoholischen Getränke des Orients gebraucht. Arrak gilt als das sortenreichste alkoholische Getränk der Welt. Denn als Arrak werden Branntweine vom Nahen Osten bis zu den Philipinen bezeichnet,obwohl sie aus sehr verschiedenen Ausgangsprodukten hergestellt werden.

In Jordanien ist er eine Art Standardgetränk, wie man in Deutschland eben Bier trinkt, in Frankreich oder Italien zuerst mal Wein, so trinkt man in den Ländern des Nahen Ostens, insbesondere natürlich unter den Christen dort, eben erst einmal Arrak. Zu Tabbuleeh, dem beliebten Petersiliensalat, wird er besonders gerne gereicht und auch getrunken, nicht nur weil beide vom Geschmack her sich ideal ergänzen und wunderbar zusammenpassen, sondern auch, weil die Petersilie sehr viel vom Alkohol aufnimmt. Aber auch zu jedem anderen Essen passt er gut.
Der unerfahrene europäische Gast sollte vorsichtig sein und sich eher der Tradition seiner Gastgeber anschließen und zugleich mit dem Arrak nebenher Mineralwasser. Der Arrak kann teuflische Konsequenzen zeitigen, wenn man ihn in seiner Wirkmächtigkeit unterschätzen sollte. Dennoch, keine Angst, es ist ein hervorragendes Getränk, wohlschmeckend und erfrischend, auch untertags, auch am Strand und gerade zu alle dem, was vom Grill kommt.

Dass der Arrak etwas Besonderes ist, wird auch an einem anderen kleinen Moment deutlich: Prostet man sich zu, mit Bier z.B. oder Wein, so geschieht das mit dem Wort „sachteen“ – vergleichbar unserem „zum Wohl“ – oder mit „kässack“ – einem für uns nicht so leicht übersetzbaren Begriff, abgeleitet von „käss“, Glas. Stößt man aber mit Arrak an, dann wird im Libanon, in Syrien und in Jordanien dafür ein eigenes Wort verwendet, das nur für den Arrak reserviert ist und auch nur im Zusammenhang mit ihm zur Anwendung kommt: „möhabba“. Möhabba meint in diesen wenigen Buchstaben den ganzen Vorgang des Arraktrinkens „mit allen Sinnen“: In „möhabba“ steckt das körperliche Spüren des Arrak, wenn man das Glas in die Hand nimmt, steckt das Hören des Arrak, wenn man das Glas beim Zuprosten auf den Tisch aufklopft, steckt das Sehen des Arrak, wenn das Glas wieder erhoben wird, steckt das Riechen des Arrak, wenn man das Glas an die Nase und an den Mund führt und es steckt darin das Schmecken des Arraks, wenn dieser im Mund sein Aroma entfaltet. Und .... in diesem „möhabba“ steckt auch noch das Leuchten der Augen dessen, der den Arrak genießt, sein Wohlempfinden und Glücklichsein. Arrak zu genießen ist also ein ganzheitliches Geschehen und durchaus auch Kult und auf alle Fälle mehr als eben einfach nur Trinken.



   
Aktualisiert 05.09.2010

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